„Cytopoint“ – der Star an der Juckreizfront ! (?) Teil 1

Liebe Patientenbesitzer,
da der neue „Star“ am Medikamentenhimmel, das „Cytopoint“ der Fa. Zoetis inzwischen ins Bewusstsein der meisten Tierärzte gerückt sein dürfte, möchte ich auch zu dieser Innovation – wie vor ein paar Jahren zum Apoquel, dem vorletzten Kind der Fa. Zoetis – Stellung nehmen, da ich sicher bin, dass nicht jeder TA, nicht jeder Tierbesitzer über dieses „biological“ mehr weiß, als das, was der Beipackzettel wiedergibt.

Uns Dermatologen wurde das Präparat vorab, Ende Mai 2017 (erhältlich ist das Medikament für Tierärzte seit Sept.17) in einer Veranstaltung der Fa. Zoetis vorgestellt, wissenschaftlich kommentiert von Herrn Prof. Dr. Ralf S. Müller (LMU München, Med. Kleintierklinik, Lehrstuhl Dermatologie), der neben den Vorteilen, auch die möglichen Nebenwirkungen einer Behandlung mit „biologicals“ nicht verschwieg.

An diesem Wissen möchte ich Sie teilhaben lassen, da ich davon überzeugt bin, dass die meisten Tierbesitzer „Bescheid“ wissen möchten, über das, was ihrem Tier verordnet wird und, weil die Behandlung mit biologisch hergestellten Medikamenten, auch für Tiere, die Medizin des 21.Jahrhunderts sein wird/sein könnte.

Als Möglichkeit einer extrem zielgerichteten Therapie in der Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen des Immunsystems kommen wir alle an „biologicals“ nicht vorbei.

Da der Einsatz monoklonaler Antikörper, sowohl in der Humanmedizin – und nun eben auch in der Tiermedizin – aber ein sehr komplexes, umfangreiches Gebiet ist, das es zu verstehen gilt, ohne seinen 4-Beiner im Blindflug behandeln zu lassen, habe ich mich entschlossen, meine Erläuterungen dazu, in kleinen Einheiten und möglichst verdaulichen Portionen, als Fortsetzungen hier im Blog erscheinen zu lassen.

(Eine gekürzte Zusammenfassung ist dann auf dem „Monatstipp April“meiner Website nachzulesen).

CYTOPOINT ist nach Definition ein „tiermedizinisch- u. artspezifischer monoklonaler Antikörper (im folgenden MAK genannt), zur Eindämmung der chronisch-entzündlichen atopischen Dermatitis beim Hund

  • Generell handelt es sich bei einem MAK um ein sehr, sehr großes Eiweiß (bestehend aus ca. 20.000 Atomen), das biotechnologisch von lebenden Zellen produziert wird, weshalb  man diese MAKs auch “ Biologika, oder Biopharmazeutika oder auf englisch, biologicals nennt

(im Gegensatz dazu werden unsere bisher üblichen Medikamente chemisch produziert, sind in der Herstellung wesentlich simpler und bestehen nur aus wenigen Atomen, wie z.B. Aspirin – als Kürzel auch ASS genannt- das aus 21 Atomen besteht). 

  • Diese MAK werden von B-Lymphozyten produziert (B-Lymphozyten sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Neben B- Lymphozyten gibt es noch T-Lymphozyten und „natürliche Killerzellen“) UND….
  • verbinden sich – dem Tier injziert – mit einem Antigen, mit einem Rezeptor an der Oberfläche einer Zelle. Der MAK dockt also in einer sogenannten „Antigen-Antikörperreaktion“ an dem Rezeptor an.

(eine Antigen-Antikörperreaktion bezeichnet man auch als eine Schlüssel-/Schlüsselloch-Reaktion, da sie so funktioniert, wie ein Schlüssel  sich im passenden Schlüsselloch drehen kann)

  • Dieser Rezeptor wird nun durch das Andocken des MAKs blockiert und damit wird die Signalübertragung des Juckreizes von der Haut zum Gehirn verhindert.
  • Ein monoklonaler AK ist ein AK, der nur an einen (deshalb mono) Rezeptor bindet, also sehr spezifisch ist und je spezifischer, desto wirksamer in der Entzündungshemmung.
  • Beim Cytopoint heisst dieser Rezeptor  „IL-31“ (Interleukin 31)

(IL-31 hat folgende Aufgabe: Es aktiviert bei Juckreiz Nerven i.d. Haut, über diese aktivierten Nerven kommt es zu einer Signalübertragung des Juckreizes von der Haut zum Gehirn, worauf vom Gehirn wiederum Signale zurück in die Haut gesandt werden, die den Juckreiz befördern, ein Circulus vitiosus entsteht, der sich selbst unterhält.

Durch Hemmung dieses IL-31 mit Cytopoint, wird die Juckreizwahrnehmung im Gehirn sozusagen neutralisiert, der Juckreizzyklus wird unterbrochen)

  • Je höher der artspezifische Anteil des MAKs (im Fall des Cytopoints ist die Artspezifität an den Hund angepasst), also je „hundespezifischer“, desto geringer die Gefahr unerwünschter Immunreaktionen

(Grundsätzlich gibt es viele = polyklonale Antikörper, die an die unterschiedlichsten Rezeptoren binden und dies trifft wiederum für alle Zellen zu. IL-31 ist als monoklonaler AK einer dieser vielen AK, der zwar nur an einen einzigen Rezeptor und im Idealfall auch nur an einem Zelltyp bindet, er kann aber eben auch an weiteren Zellen binden. Das ist wichtig – wenn auch schrecklich theoretisch – , um die Nebenwirkungen/Risiken der Therapie mit monoklonalen AK zu verstehen).

 

Fortsetzung im nächsten Blogbeitrag

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