„Cytopoint“ – Der Star……Teil 3:

Für Diejenigen, die gerne fürs Verständnis etwas mehr Basiswissen hätten, kommt nun Einiges zur Entstehungsgeschichte, der Problematik und der Erfolgsgeschichte humaner monoklonaler Antikörper.

Wem diese Ausführungen zu theoretisch sind, der liest

im 4. Teil weiter ab :

„mein Kommentar zu den positiven Aspekten beim Einsatz …..“

 

Teil 3 :

Der Einsatz polyklonaler Antikörper ist uns Allen unter dem Begriff „Impfung“ – und noch etwas genauer – passive Impfung (siehe Grippeimpfung) mehr oder weniger bekannt.
Spezifische monoklonale Antikörper sind eine Fortentwicklung der polyklonalen AK und in der Humanmedizin als solche schon seit ca. 10 Jahren im Einsatz.

Wie kommt man nun von polyklonalen AK zu den monoklonalen AK und derem therapeutischen Einsatz ?                                              (denn tatsächlich scheinen sie nun – nach schweren anfänglichen Fehlschlägen –  auch in der Humanmedizin inzwischen die „Stars“ am Horizont zu sein, so z.B. bei Krebserkrankungen, bei Rheuma, bei Asthma, bei Allergien, eben bei allen Erkrankungen, die mit Reaktionen des Immunsystem zu tun haben).

  • Wenn ein Fremdstoff, oder Virus, oder Bakterium in den menschlichen oder tierischen Körper eindringt, produzieren spezialisierte Zellen des Abwehr-, des Immunsystems gegen diese Eindringlinge Abwehrstoffe = Antikörper.
  • Dabei  werden aber die unterschiedlichsten Immunzellen zum Wachstum angeregt, die wiederum unterschiedliche Antikörper produzieren (was sinnvoll ist, da sie damit nicht nur an einer, sondern an verschiedenen Stellen der Eindringlinge angreifen, was aber ziemlich unspezifisch ist)
  • Diese Mischung aus vielen unterschiedlichen Antikörpern, nennt man polyklonale Antikörper.

Auf polyklonalen Antikörpern beruht unser Impfschutz. Polyklonale AK werden  in Tieren erzeugt und dann Patienten verabreicht. Für die Forschung haben polyklonale AK den Nachteil, dass man nie genau weiß, wo die einzelnen Antikörper nun tatsächlich angreifen und was für Verbindungen und Reaktionen sie mit ihrem Ziel, dem Eindringling, eingehen

Will man diesen komplexen Angriff gegen ein nun klar definiertes Ziel verfeinern, will man also nur einen einzigen Antikörper herstellen, der im Körper nur ein einziges Ziel verfolgt, (z.B. den Juckreiz zu verhindern), braucht es wesentlich mehr Schritte.

Milstein und Köhler, 2 Wissenschaftler fanden einen Weg – und dafür wurden sie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – um ganz gezielt nur eine Sorte von Antikörper zu produzieren. Das funktionierte nun nicht mehr im Körper eines Lebewesens, wie die Herstellung von Impfstoffen, sondern auch in vitro, im Reagenzglas.

Der entscheidende Punkt war jedoch, es zu schaffen, die leicht zerstörbaren Immunzellen robuster zu machen, so dass sie auch im Reagenzglas überleben und ihre Arbeit tun können.

Dies gelang durch das Zusammenbringen der Immunzellen mit Tumorzellen, (Tumorzellen sind ja bekannt für ihr durch ungehemmtes Wachstum und damit reproduktionsfähig ohne Ende).  So entstanden Mischzellen, sogenannte Hybridomzellen, welche die Fähigkeit besitzen, einen ganz speziellen Antikörper zu produzieren und sich dabei super gut zu vermehren.

Schritt 1: Zunächst wurden Immunzellen (unterschiedlicher, ja unbekannter Art/Spezitivität) in einem Versuchstier – einer Maus – erzeugt.

Schritt 2: Diese im Tier erzeugten Immunzellen wurden dann isoliert (d.h. es wurde dem Versuchstier Blut entnommen, die entsprechenden Immunzellen (B-Zellen) aus dem Blut filtriert und in Schritt 3 mit Tumorzellen im Reagenzglas zusammengebracht.

Schritt 3: Anschließend wurden aus dieser Zellmischung – den sogenannten Hybridomzellen – diejenige herausgefischt, die den gewünschten Antikörper produzieren sollten

(das ist nicht weiter schwierig, wenn man das Ziel kennt, in unserem Fall ist das Ziel ein Molekül, das an der Juckreizentstehung beteiligt ist, an das der AK binden soll. Dieses Molekül wirkt in etwa wie ein Köder an der Angel, die man in den Teich wirft, um damit einen ganz bestimmten Fisch zu fangen, der nur diesen Köder und keinen anderen frisst).

Schritt 4: Hat man diese Zelle gefunden, dann entsteht nach Vermehrung  immer der gleiche, ganz spezifische Antikörper. Diesen bezeichnet man dann als monoklonalen Antikörper.

Die Hoffnungen, die mit der Herstellung solcher zielgerichteter Antiköper, die nach dem „Schlüssel-Schloss“ Prinzip arbeiten ( – ich denke Jeder kann sich unter diesem Begriff etwas vorstellen),  zerschlugen sich aber zunächst. Denn monoklonale Maus-Antikörper sind für den humantherapeutischen Einsatz schlecht geeignet. Sie sind für den Körper fremd und auf Fremdlinge reagiert das Immunsystem mit Abwehrreaktionen (siehe Einleitung).

Es ist also nicht der Antikörper, sondern der Mausanteil im Antikörper, der als artfremd und damit natürlich wiederum eine Antikörperreaktion im Organismus auslöste, was bis zu anaphylaktischen Reaktionen führte und die erwünschte Wirkung völlig unterdückte.

(das waren die – oft enttäuschenden – Anfänge in der inzwischen 10-jährigen Geschichte der Therapie mit monoklonalen Antikörpern. Wie sich das weiterentwickelte, weshalb sie verträglicher wurden, davon erzähle ich im letzten Blogbeitrag)

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