„Cytopoint“- der Star….. letzter, 4. Teil

Wie also in Beitrag 3 zuletzt erwähnt, wurde viel unternommen, um der Problematik einer möglichen Abstoßungsreaktion Herr zu werden.

Es wurden mit gentechnischen Methoden große Bereiche des Maus-Antikörpers – also des Fremdweißes – durch die entsprechenden Bereiche menschlicher – im Fall von Cytopoint – durch die entsprechenden Bereiche caniner Antikörper ersetzt.

(das Wort canin leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für Hund = „Canis lupus“ ab)

Je nach Gehalt an menschlichen – oder hundespezifischen – Eiweißbausteinen im Antikörper spricht man entweder von chimärisierten oder humanisierten / caninisierten Antikörpern

(Chimäre steht allgemein für ein Mischwesen, im medizinischen Zusammenhang aus genetisch unterschiedlichen Zellen, die aber dennoch eine Einheit bilden. Hier in diesem Zusammenhang eine Einheit aus Versuchstier- und Menschen (Hunde)zellen)

Bei humanisierten – oder caninisierten – Antikörpern stammt nur noch ein kleiner Bereich, aber eben der wichtigste, der den Antikörper bindende Bereich vom Versuchstier, der Rest stammt vom Menschen, oder – in unserem Fall – vom Hund.

Man kann nun zusammenfassend sagen :

  • Je größer der Anteil an Versuchstiereiweiß (ein für den Körper des Patienten fremdes Eiweiß) und je kleiner der Anteil an menschlichem (oder hundespezifischem) Eiweiß im produzierten Antikörper, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Immunsystem des behandelten Patienten gegen dieses Fremdeiweiß wehrt, desto schlimmer die Nebenwirkungen
  • Je kleiner wiederum der Anteil dieser Fremdeiweiße im Antikörper und je größer der Anteil menschen- oder in unserem Fall hundespezifischen Eiweißes im produzierten Antikörper, desto sicherer wird der Antikörper für den Menschen (oder in unserem Fall für den Hund), desto geringer könnte aber auch die erwartete Wirkung des Antikörpers ausfallen.
    Und darin liegt auch die Problematik !
    Entweder wirkt die Therapie mit monoklonalen Antikörpern nicht zufriedenstellend und man muss zusätzliche Medikamente einsetzen, oder man verbessert die Wirkung und nimmt eine höhere Rate an Nebenwirkungen in Kauf.

Ein Vertreter der therapeutisch angewandten monoklonalen Antikörper beim Menschen, das Omalizumab (Xolair), eingesetzt gegen chronischem Juckreiz und Asthma, führte laut einer Studie (Sarbjit S.Saini et al) bei Juckreiz nur zu einer Reduktion der Symptome.

Dasselbe Mittel gegen Asthma bei Erwachsenen und Kindern eingesetzt, wurde in seiner Wirkung mittels einer Cochrane-Studie überprüft, hier scheint die Datenlage auf eine bessere Wirkung hinzudeuten.

(Die Cochrane Collaboration ist DIE Prüfstelle, die sämtliche Einzelstudien, die weltweit zu einem wissenschaftl. Gebiet veröffentlicht werden, nochmals vergleicht und bewertet, also die Studie der Studien).

Auch der Einsatz monoklonaler Antikörper beim Hund zeigte nicht bei allen, sondern bei ca. ¾ aller behandelter Hunde, nur eine ca. 50 % ige Verbesserung des Juckreizes

Eine wesentlich ältere humane Cochrane- und meta-analytische Studie, untersucht überhaupt das Auftreten von Nebenwirkungen biologischer Medikamente
(Singh JA et al, Cochrane Database Syst Rev.2011 Feb)
Das Ergebnis zeigt, dass es …..

• bei 770 von 1000 behandelten Personen (724/1000 mit Plazebo) zu NW kam,
• bei 127 von 1000 (118/1000 mit Plazebo) zu schweren NW und
• bei 35 von 1000 (26 mit Plazebo) zu schwersten Infektionen kam.

Das heißt im Klartext :

beim Einsatz monoklonalen Antikörpern muss relativ häufig mit schweren Nebenwirkungen gerechnet werden

 

Mein Kommentar zu den positiven Aspekten des Einsatzes von Cytopoint :

Das meines Erachtens beste und schlagkräftigste Argument für den Einsatz von Cytopoint ist – wenn es vertragen wird und wirksam ist –

  • dass es das spezifischste Medikament,
  • mit den ev. geringsten Nebenwirkungen ist, das es im Moment am Markt gibt, um dem Juckreiz ev. Herr zu werden,
  • als Eiweiß wird es genauso problemlos verstoffwechselt wie ein körpereigenes Eiweiß und
  • wird genauso ausgeschieden.
  • das gesamte System wird also kaum belastet

mein Rat bezüglich der Problematik von Cytopoint :

Erstinjektion- (und nach 4 Wochen ev. auch die Zweitiniektion) unter Klinikbedingungen (Tagesklinik mit Beobachtung und jederzeit möglicher Einsatz von immunsuppressiven u. kreislaufstabilisierenden Med./Infusionen) durchführen.
(wer mich kennt der weiß WIE vorsichtig, ja fast ängstlich ich bin!)

  • wenn nach Erstinjektion keine schweren systemischen Reaktionen und/oder generalisierte Hautreaktionen aufgetreten sind, die eine Hospitalisierung erfordern,
  • wenn eine weitere Behandlung (NICHT die weiteren monatl. Injektionen!!) / Beobachtung des Patienten bezügl. ev. doch noch auftretender Hautentzündungen – je nach Ausprägung – mit entsprechender oraler Medikation zuhause erfolgen kann,
  • wenn die Wirksamkeit des Mittels innerhalb des ersten Monats eintritt,
  • wenn Cytopoint als Monotherapie (oder mit nur ganz geringer Begleitmedikation) in monatlichen Abständen fortgeführt werden kann
  • dann könnte Cytopoint das Mittel der Wahl für eine Langzeittherapie der atopischen Dermatitis sein bei :
  1. atopischen Dauerpatienten (Atopie gegen Milben) die ohne Kortison mit ihrem Juckreiz nicht klarkommen,
  2. Non-Respondern, das sind Patienten, die weder auf Kortison noch auf Cyclosporin ansprechen,
  3. Patienten, die nicht- oder nicht mehr auf eine sehr niedrig dosierte und intervall mässig verabreichte Kortisontherapie ansprechen,
  4. bei Patienten bei denen eine Hyposensibilisierung nicht in Frage kommt

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